Via Son Giachen / Jakobsweg Graubünden

Via Son Giachen / Jakobsweg Graubünden

Wandern auf den Spuren von Vorfahren und Pilgern

Der Jakobsweg Graubünden führt von Müstair bis nach Amsteg (mit Anschluss an die Via Jacobi nach Santiago de Compostela) und kann in 19 Etappen erwandert werden. Der rund 75 Kilometer lange Abschnitt des Jakobsweges zwischen der Rheinschlucht und der Rheinquelle kann auf fünf Wanderetappen von 3 ¼ bis 6 ¼ Std. verteilt werden.

Zwischen der Rheinschlucht und der Rheinquelle entdeckt der Pilger byzantinische, gotische und barocke Kunst. Zeugen einer wechselvollen Geschichte, die in einer aus heutiger Betrachtungssicht atemberaubenden Gebirgslandschaft geschrieben wurde. Auf den klimatisch milden, sonnenverwöhnten Terrassen lebten die Menschen bereits in der Jungsteinzeit. Stumm stehen 3500 Jahre alte Zeugen eines Steinkultus in Falera, Ruschein und Dardin, wo sich später Mythen um die geheimnisvollen Riesen-steine rankten. In Ladir geht die Sage vom Zeno-Stein, den der Teufel vom Rheinufer herauf gebuckelt haben soll, weil er damit die 1710 neu erbaute Kirche zertrümmern wollte. St. Zeno (Sogn Sein) aber soll das durch beten und bitten verhindert haben.

Die geschichtliche Entwicklung der Tallandschaft zwischen Rheinquelle und Rheinschlucht ist eng mit ihren Pässen und der Benediktiner-Abtei in Disentis/Mustér verknüpft. Doch schon tausend Jahre vor ihrer Gründung war der Ort besiedelt. Sensationell ist der Fund von rund 12'000 Kleinfragmenten eines bemalten Kalkmörtel-Putzes, Reste einer frühbyzantinischen Monumentalmalerei von hoher künstlerischer Qualität. Es handelt sich um die weltweit ältesten Darstellungen des Weltgerichts und Marientodes: etwa hundert Köpfe von lebens- und überlebensgrossen Engeln sowie Heiligen mit Schriftrollen.

Vom lukrativen Passverkehr profitierten auch andere Feudalherren. Davon zeugen die vielen Burgruinen. Die grösste und imposanteste ist Burgruine Munt Sogn Gieri (Jörgenberg) bei Waltensburg.

Die Reformation erreichte das Tal zwischen 1524 bis 1526. Man führte Streitgespräche, nicht das Schwert gegeneinander. Jede Gemeinde bestimmte selbst, ob sie zum neuen Glauben wechselte. Am Jakobsweg bildet Waltensburg als reformierte Kirchgemeinde heute noch eine konfessionelle Enklave. Dass sich die Reformation nicht weiter ausbreitete, dafür sorgte das Kloster mit allen Mittel der Gegenreformation. Eines davon war der barocke Bau- und Kunststil, der bis in die entlegensten Alpentäler vordrang. So viele barockisierte Kirchen und Kapellen wie im Tal zwischen der Rheinquelle und der Rheinschlucht trifft man sonst nirgends in Graubünden an.

Beachten Sie auch www.jakobsweg-gr.ch und Kirchen und Kapellen in Brigels.